Eine Ihnen unbekannte Person betritt das Studio. Sie gehen auf die Person zu, geben ihr die Hand und begrüssen sie mit a) ernster Miene, b) neutralem Gesichtsausdruck oder c) einem offenen Lächeln. Viele Wege führen nach Rom. Ich bin jedoch überzeugt, dass mit Variante C die Erfolgsaussichten um einiges höher sind als mit A oder B.

Wie wir alle wissen, ist der erste Eindruck entscheidend, wenn wir eine Person kennenlernen. Gemäss Studien sind die ersten 100 Millisekunden ausschlaggebend. Blitzschnell entscheidet sich, wer uns als attraktiv, sympathisch, vertrauenswürdig erscheint und wer nicht. Weil es so schnell geht, spielen Worte eine untergeordnete Rolle, dafür ist die Körpersprache umso wichtiger. Ein fester Händedruck, ein direkter Blick in die Augen und ein Lächeln ist der ideale Start für eine fotografische Begegnung.

Die wenigsten Menschen lassen sich gerne und professionell fotografieren. Das ist nicht verwunderlich, denn die ganze Situation ist ungewohnt und einschüchternd – die vielen Lampen, die eher engen Platzverhältnisse, der „fremde“ Fotograf, der hinter einer grossen Kamera verschwindet und Anweisungen gibt. Hinzu kommt der eigene Erwartungsdruck, in kurzer Zeit zu einem guten Bild zu kommen. Jeder Mensch hat seine eigenen, mehrheitlich eingebildeten Unzulänglichkeiten, die ihn mehr oder weniger beschäftigen (das breite Gesicht, die schrägen Zähne, das Doppelkinn, die Frisur etc.). Das sind einige Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Ein Lächeln gleich zu Beginn ist eine Einladung, ein Willkommensgeschenk, das mehrere Botschaften aussendet – nämlich, dass die Person willkommen ist und dass sich der Fotograf auf die Begegnung freut. Zudem zeigt es Präsenz und verströmt Optimismus und Zuversicht.

Ein Lächeln ist der ideale Start und der wichtigste erste Schritt für ein gelungenes Porträt. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal jemand vor der Linse haben.