Nudgen Sie schon oder treten Sie noch auf der Stelle? Mit der Erfolgsmethode aus den USA lässt sich das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise steuern. Wie das funktionieren soll? Das erfahren Sie im Fachbeitrag von Maurice Codourey, Nudge-Experte, Referent und Gastautor der UNIT X.

Nudge und UNIT X. Sanfte Schubser mit Methode.

Im April 2008 erscheint das Buch „Nudge, Improving Decisions About Health, Wealth and Happiness“, die deutsche Ausgabe „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstösst“ folgt im August 2009. Die Autoren und US-Professoren Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein legen damit in der Verhaltensökonomie ein Werk von grosser Beeinflussungs- und Inspirationskraft vor. Die unzähligen Artikel und Präsentationen rund um das Buch führten Richard H. Thaler als Berater bis ins Oval Office von Barack Obama und an die 10 Downing Street zu David Cameron.

Flughafen Amsterdam und London

Im Buch erreicht das Beispiel vom Luchthaven Schiphol in Amsterdam die grösste Aufmerksamkeit. Die augenscheinliche Verrücktheit der Anwendung in der Männertoilette zeigt die Umsetzung der Theorie auf eindrückliche Weise. Das Ziel dieser kleinen Änderung des menschlichen Verhaltens fokussiert die Treffsicherheit beim Urinieren in das Becken hinein. Durch das Bemalen des Porzellans mit einer Stubenfliege sinkt die falsch gezielte Benutzung der oft abgelenkten Männer um 80%.

Die Gespräche von Richard H. Thaler in London führen später zur Gründung der Nudge Unit der englischen Regierung. Zwischen 2010 und 2014 engagierte sich dieser Bereich im Rahmen zahlreicher Projekte rund um die sanfte Beeinflussung des menschlichen Verhaltens wie Kampagnen zum Thema Nichtrauchen oder Organspende.

Neurowissenschaft und Verhaltensökonomie

Ein Nudge aus dem Spitalwesen: Die australische Regierung von New South Wales erinnert Patienten via SMS in Verbindung mit nützlichen Apps wie Google Maps an ihre Konsultationstermine. Die erhöhte Teilnahme durch diese 160 Zeichen-Massnahme spart jährlich 70’000 Dollars bei Kosten von rund 15 Cents pro Text.

Und noch ein Nudge: 2006 installiert Stockholm den Pilotversuch «Stockholm Trial» – die Verkehrsbelastungsgebühr nach dem Verursacherprinzip. Die Innenstadt erhält 18 Kontrollpunkte für die Ein-und Ausfahrt. Kameras halten die Kennzeichen fest (Zahlung in Geschäften oder via Internet) oder registrieren Fahrzeuge mit Direktzahlungsgeräten. 10 Zeitfenster rund um die Uhr sorgen für Abgaben zwischen 10, 15 und 20 Kronen (1 bis 2 Euro) mit einer Maximalzahlung von 60 Kronen. Ohne Kostenfolge bleiben das Zeitfenster 18.30 Uhr bis 06.29 Uhr sowie Samstage, Sonntage und öffentliche Feiertage.

Hochrechnungen im Pilotjahr 2006 belegen den Erfolg:

  • Verkehrsbelastungsgebühren 84 Mio. Euro
  • Wert kürzere Reisezeiten 55 Mio. Euro
  • Mehrverkauf ÖV-Tickets 20 Mio. Euro
  • Weniger Greenhouse Gase 7 Mio. Euro
  • Gesundheits- und Umwelteffekte 2 Mio. Euro
  • Erhöhte Verkehrssicherheit 14 Mio. Euro

Die Auf- und Abrechnung der vielen Faktoren ergibt einen jährlichen sozioökonomischen Überschuss von 75 Mio. Euro ohne Investitionen. Signifikant für die Forscher ist der hochgerechnete Zeitgewinn, aber auch die Tatsache, dass eine wirksame Verhaltensveränderung dieser Art mehrere Jahre Anwendung in Anspruch nimmt.

UNIT X – kompaktes Kommunikations- und Marketingwissen

Bei UNIT X treffen Unternehmen und Institutionen nicht nur auf eine einzigartige Sammlung von Kommunikations- und Marketingwissen, sondern auch auf die einmalige Möglichkeit für Trainingsmodule und Workshops. Bei verfeinerten Konzepten, die einen Impact im Verhalten der Zielgruppe anstreben, empfiehlt sich eine stufenweise Annäherung an die Möglichkeiten. Beispielsweise mit einem spezifischen Seminar für die internen Akteure rund um Theorien wie Nudge. UNIT X funktioniert dabei als Wegbegleiter für Teilstrecken oder für den gesamten Projektweg. Von der Spurensicherung bis zum Aktenfinale.